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„Fidelio für Kinder“ – Jugendoper über die Lust, gefangen zu sein

Autor: Horst Schinzel am 01.11.2015

Fidelo

(Von Horst Schinzel) - Die private Theatertruppe „Taschenoper Lübeck“ der Prinzipalin Margrit Dürr bemüht sich seit vielen Jahren mit großem Erfolg, klassische Opern für Kinder zu bearbeiten. Jetzt hatte im Lübecker Theater die neueste Produktion „Fidelio für Kinder“ ihre Uraufführung. Nun eignet sich Beethovens Freiheitsoper nur sehr bedingt, auf ein kind- und jugendgemäßes Format herunter gestutzt werden.

Foto: Olaf Malzahn

So sind den Bearbeitern Margrit Dürr und Julian Metzger arg die Gäule durchgegangen. Herausgekommen ist ein „fideles Gefängnis“ – so Gouverneur Pizarro (Jan Westendorff) bei seinem ersten Auftritt -, in dem es fünfundsiebzig Minuten lang ausgesprochen heiter und fidel zugeht. Das entspricht sicher dem Gesichtskreis der anvisierten Zuschauer ab acht Jahren, lässt aber von Beethoven nur die herrliche Musik übrig.

Die Vorstellung beginnt durchaus dramatisch. Die erwartungsvoll im Kammerfoyer versammelten Zuschauer werden von Rocco (Tobias Hagge) und seiner Tochter Marcelline (Dorothee Bienert) gefangen genommen und über geheimnisvolle Stiegen in das Studio getrieben, wo sie auf kargen Hockern Platz nehmen müssen.

Sie teilen ihr Schicksal mit dem aufmüpfigen Florestan (Richard Neugebauer). Eine Gefangenschaft, die aber durchaus erträglich ist. Rocco, Marzelline und der später hinzu kommende Fidelio (wuschelköpfig Margrit Dürr) treiben mit ihren Gefangenen Sport und üben einen makabren Kanon ein „Ich bin gefangen, Du bist gefangen, wir sind gefangen“. Das alles ist von Sascha Mink zur Musik einer siebenköpfigen Combo – deren Musiker mit Pickelhauben ausgestattet sind – flott und jugendgemäß inszeniert worden. Die musikalische Leitung hat Carl Augustin.

Der ernste Hintergrund dieser Gefangenschaft zeigt sich erst sehr zum Schluss. Gouverneur Pizarro gibt sich lange durchaus jovial. Doch dann will er Florestan mittels einer geheimnisvollen Elektrokonstruktion ermorden. Fidelio gelingt es, diese so umzupolen, dass Pizarro selbst ihr Opfer wird.

Die Zuschauer der Uraufführung – die dank der Zuwendungen Lübecker Stiftungen ermöglicht wurde – waren begeistert und feierten alle Beteiligten lang und anhaltend.

Weitere Aufführungen

1. und 8 November, 16 Uhr, 9. November, 9 Uhr




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